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Republik ja, Demokratie nein !

Europaskepsis und Antiamerikanismus in französischen Büchern









De la Prochaine Guerre avec l'Allemagne





La Tentation allemande





von Marco Schütz

François Guillaume, Le Complot des maîtres du pouvoir (éd. Lattès, Paris 1999)
Pierre Barnès, Le XXIe Siècle ne sera pas américain (éd. du Rocher, Paris 1999)
Philippe Delmas, De la Prochaine Guerre avec l'Allemagne (éd. Odile Jacob, Paris 1999)
Régis Debray, Le Code et le glaive (éd. Albin Michel / Fondation Marc-Bloch, Paris1999)
Michel Collon, Poker menteur (éd. EPO, Bruxelles)
Yvonne Bollmann, La Tentation allemande (éd. Michalon, Paris


PARIS, 27 Juli 1999 - "Seien wir auf der Hut", schreibt der Abgeordnete François Guillaume, ein ehemaliger Minister und Vorkämpfer der französischen Bauernlobby in seinem kürzlich erschienenen europakritischen Pamphlet mit dem vielsagenden Titel Le Complot des maîtres du pouvoir (Das Komplott der Mächtigen). "Die totale Vergemeinschaftung im Zeichen von Rationalität und Modernität führt zwangsläufig zum totalen McDonald's." Die Europäische Union ist aus seiner Sicht nicht viel besser als Amerika: Die Brüsseler Bürokratie erscheint als eine Art Trojanisches Pferd, das angelsächsischen Marktliberalismus importiert und den EU-Mitgliedsstaaten aufzwingt. Was für die Landwirtschaft und die Kultur gelte, sei erst recht bei weltpolitischen Krisen der Fall: "Der Kosovo-Krieg bietet dafür ein eklatantes Beispiel. Ungeachtet der Geschichte des Balkans und ausschliesslich im Bewusstsein eigener Interessen - die denen Europas entgegengesetzt sind - hat Washington entschieden, die NATO als bewaffneten Arm seines Imperiums in Jugoslawien einzusetzen." Die Europäer aber hätten sich geduckt und angepasst.

Dass Amerika in der Welt den Ton angibt und Frankreich bloss die zweite Geige spielt, wird nicht nur von Europaskeptikern als schmerzlich empfunden. Im Gegenteil: Auch unter den überzeugten Europäern in Paris brennen viele darauf, den sperrigen Onkel Sam aus Übersee in die Schranken zu weisen und europäische Angelegenheiten fortan im Rahmen der EU zu regeln. Im Stillen setzen die französischen Ideologen einer künftigen europäischen Supermacht darauf, dass sich die Briten und vor allem die Deutschen eines Tages aus der amerikanischen Umklammerung lösen. Le XXIe Siècle ne sera pas américain (Das 21. Jahrhundert wird nicht amerikanisch) orakelt der sozialistische Senator Pierre Biarnès, der diesen im Grunde gaullistischen Traum 1998 in Buchform gegossen hat. Lesepropbe: "In einigen Jahren könnte Deutschland den Amerikanern die grössten Enttäuschungen bereiten - auch wenn man sich heute in Bonn noch wie einer der atlantischen Klassenbesten aufführt, was der Yankee-Schulmeister zufrieden zur Kenntnis nimmt."

Eine ähnliche Haltung vertritt auch Philippe Delmas, ein Absolvent der staatlichen Kaderschmiede ENA, der seinem Buch den provozierenden TitelDe la Prochaine Guerre avec l'Allemagne (Über den nächsten Krieg mit Deutschland) gegeben hat. Delmas will den Franzosen ihre unterschwellige Angst vor Deutschland ausreden und plädiert für eine Neuauflage der gaullistischen Europapolitik. Der alte Grossstaat Frankreich mit seinem Zentralismus und seiner eingefleischten "Kultur der Macht" müsse gemeinsam mit dem objektiv erstarkten, aber identitäts- und willensschwachen Deutschland die europäischen Angelegenheiten in die Hand nehmen und den Amerikanern Paroli bieten. Sonst drohe ein Scheitern des Projekts Europa und langfristig ein Wiederaufleben des historischen deutsch-französischen Gegensatzes.

"Irrtum!" ruft in seinem neuen Buch Le Code et le glaive (Gesetz und Schwert) der Philosoph und "Mediologe" Régis Debray, dessen NATO-kritischer Reisebericht aus dem Kosovo eine heftige Debatte auslöste. Debray hält den halboffiziellen französischen Plan eines von Paris und Berlin angeführten Defensivbündnisses gegen die politisch-militärische und wirtschaftlich-kulturelle Übermacht der Vereinigten Staaten - wohl zu Recht - für eitlen Selbstbetrug. Jede Nation hat nur ihren eigenen Vorteil im Sinn, wenn von europäischer Einigung die Rede ist, so lautet seine ernüchternde These. "Die Engländer arbeiten an einem englischen Europa, die Franzosen an einem französischen, die Deutschen an einem deutschen, etc." Im "Wettlauf der Hintergedanken" habe nicht Frankreich, sondern Deutschland die Nase vorn. Es sei unvermeidlich, dass sich Brüssel besser mit Berlin verstehe als mit Paris, denn die föderale europäische Kompetenzverteilung zeichne sich als eine blosse Verlängerung der deutschen ab. Und die Bundesrepublik fühle sich den USA nun einmal enger verbunden als irgendeinem anderen Land.

Beim "Glatthobeln" nationaler Eigenheiten in der EU hätte die französische Republik überdies mehr zu verlieren als alle anderen, behauptet Debray. Dabei beruft er sich auf den von ihm selbst konstruierten ideologischen Gegensatz zwischen dem "republikanischen Modell" Frankreich und der amerikanisch beeinflussten "Demokratie", die er als eine Spielwiese für Privatinteressen analysiert. Sein Buch ist das Manifest der Fondation Marc-Bloch, einer im vergangenen Jahr gegründeten linksnationalistischen Intellektuellengruppe, die der Splitterpartei von Innenminister Jean-Pierre Chevènement nahesteht und jakobinische Werte wie Zentralismus und Laizismus hochhält. Zu ihren Mitgliedern zählen namhafte Wissenschaftler und Journalisten wie Jean-François Kahn, der Gründer des Wochenmagazins Marianne. Die von Le Monde als "national-republikanisch" bezeichnete Fondation hat kaum Berührungsängste, wenn es darum geht, im Geiste gegen Europa ins Feld zu ziehen. So nahm der linke Denkerzirkel bereits kurz nach seiner Gründung Kontakt zu dem strammrechten früheren Innenminister Charles Pasqua auf, der nach seinem Überraschungserfolg bei der Europawahl eine neue "souveränistische" Sammlungspartei nach gaullistischem Vorbild ins Leben rufen will.

Ob links, ob rechts: Antiamerikanismus und Misstrauen gegenüber Deutschland gehen oft Hand in Hand. So macht der aus Belgien stammende marxistische Journalist und Medienkritiker Michel Collon die beiden rivalisierenden Grossmächte Bundesrepublik und USA pauschal für den seit nunmehr fast zehn Jahren andauernden kriegerischen Zerfallsprozess Jugoslawiens verantwortlich. "Für Bonn bedeutete diese Krise die Möglichkeit, ganz Mitteleuropa, von der Ostsee bis zum Mittelmeer, unter seine Kontrolle zu bringen", heisst es in Collons Buch Poker menteur (Lügenpoker). Ausserdem sei es Kanzler Kohl darum gegangen, "London und Paris der deutschen Strategie zu unterwerfen". Indem sie durch Waffenlieferungen und massiven diplomatischen Druck den Abfall der jugoslawischen Teilrepubliken bewirkten, hätten die Bonner Politiker einfach ein altes Rezept der Nazi-Imperialisten wieder aufgewärmt, erklärt Collon. Womöglich noch radikaler antideutsch ist das Buch der Pariser Germanistin Yvonne Bollmann, La Tentation allemande (Die deutsche Versuchung). Die Autorin, die den Deutschen die Absicht unterstellt, Elsass-Lothringen auf dem Umweg über die europäische Regionalisierung wiedererobern zu wollen, war im vergangenen März Ehrengast der Académie du Gaullisme. Jacques Dauer, der Generalsekretär dieser Charles Pasqua nahestehenden Organisation gehört zu den Erstunterzeichnern eines von Rechtsextremisten um Alain de Benoist lancierten Manifests gegen die NATO, das, nebenbei bemerkt, auch Peter Handke unterschrieb.


Buchhändler - alapage.com - Frankreich

François Guillaume, Le Complot des maîtres du pouvoir (éd. Lattès, Paris 1999)
75.05 FF 11.44 Taux : 1 Euro = 6.55957 FF, le 01/01/1999


Pierre Barnès, Le XXIe Siècle ne sera pas américain (éd. du Rocher, Paris 1999)

Philippe Delmas, De la Prochaine Guerre avec l'Allemagne (éd. Odile Jacob, Paris 1999)
114.00 FF 17.38 Taux : 1 Euro = 6.55957 FF, le 01/01/1999


Régis Debray, Le Code et le glaive (éd. Albin Michel / Fondation Marc-Bloch, Paris1999)
61.75 FF 9.41 Taux : 1 Euro = 6.55957 FF, le 01/01/1999


Michel Collon, Poker menteur (éd. EPO, Bruxelles)
209.00 FF 31.86 Taux : 1 Euro = 6.55957 FF, le 01/01/1999


Yvonne Bollmann, La Tentation allemande (éd. Michalon, Paris
85.50 FF 13.03 Taux : 1 Euro = 6.55957 FF, le 01/01/1999




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